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Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen


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Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen


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Inhalt:

Naturschutzgerechte Bewirtschaftung spezifischer Grünlandbiotope / Pflege von kulturhistorischen Biotopen durch Beweidung oder Mahd

Bei Beweidung (Paket 5200)

  • Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel
  • Weidetierart, Besatzdichte und Beweidungszeitraum richten sich nach naturschutzfachlichen Erfordernissen und werden im Einzelfall festgesetzt.
  • Keine Winterbeweidung auf trittempfindlichen Standorten
  • Ausgleichsbetrag ha/Jahr: 380,- Euro

Bei Mahd (Paket 5210)

  • Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel1
  • Mahd ab Mitte Juli zulässig. Sofern aus naturschutzfachlichen Gründen ein früherer Mahdtermin erforderlich ist, darf die zweite Mahd nicht vor dem 15.09. erfolgen.
  • Das Mähgut ist in der Regel zu entfernen.
  • Ausgleichsbetrag ha/Jahr: 595,- Euro

Bei kulturhistorischen Grünlandbiotopen handelt es sich um 

  • Silikatmagerrasen, einschl. Borstgrasrasen
  • Kalkmagerrasen
  • Trockene Heiden
  • Großseggenriede
  • Kleinseggenriede
  • Feuchtheiden und Moore
  • Pfeifengraswiesen
  • Sumpfdotterblumenwiesen
  • Sonstige Feucht- und Nasswiesen oder -weiden
  • Sonstige Magerwiesen, -weiden
  • Grünlandbrachen

Breitblättriges Knabenkraut Moorschnucken Wollgrasreiches Kleinseggenried

  1. Bei der Bewirtschaftung und Pflege von Biotopen mit kulturhistorischer Bedeutung sind folgende Grundsätze zu beachten:
    • keine Kalkung
    • geschlagenes Holz ist zu entfernen, es sei denn es handelt sich um naturschutzfachlich gewünschte Aufschichtungen in kleinerem Umfang
    • bei Mahd großer Flächen oder mehrerer aneinandergrenzender Parzellen sollte Staffelmahd vereinbart werden
    • Pferdebeweidung sollte grundsätzlich gemeinsam mit Rindern erfolgen.
    • Richtwert für eine Gesamtbesatzdichte bei Standweide sollten 0,5 GVE/ha sein; bei stärkerem Aufwuchs bis zu 2,0 GVE/ha. Bei Hüteschafhaltung mit ggf. kurzfristiger Koppelhaltung (max. 2 Tage) gilt dieser Richtwert nicht.
    • Aufwuchs gerechte Nutzung, Beweidung ohne Zufütterung
    • Beweidung vom 1.11. bis 14.3. ist auf trittempfindlichen Standorten nicht zulässig.
    • Viehauftrieb sollte sich in Weideform und Weidetierart an der historischen Nutzung orientieren.
    • Biotop- und Artenschutzaspekte (Blühzeitpunkte/Brutzeiten) sind vorrangig zu beachten.
    • Faunistische und floristische Besonderheiten sind bei der Festsetzung der Mahdzeitpunkte zu beachten.
    • Flächen, die nur in mehrjährigem Abstand gemäht werden, sollten in einem Jahr höchstens zur Hälfte gemäht werden.

  2. Die Beweidung sollte bzgl. Besatzdichte und Dauer so erfolgen, dass am Ende der Weidesaison der überwiegende Teil der weidefähigen Biomasse entfernt ist (Richtwert ca. 70 %). Eine Festlegung dieses Richtwertes als Bewirtschaftungsauflage kann allerdings zu Kontrollproblemen führen. Daher sollte dieser Zielwert im Rahmen von Empfehlungen gegeben werden. Dem Bewirtschafter sollte in der Beratung und Begleitung der Maßnahme das Ziel der Fördermaßnahmen hinreichend vermittelt werden.

  3. Bei Hüteschafhaltung sollte der Abstand zwischen den Beweidungsgängen 6 bis 8 Wochen betragen. Eine kurzfristige Koppelhaltung ist für max. 2 Tage zulässig. Dabei ist die nächtliche Koppelhaltung bzw. die Einrichtung eines Nachtpferches auf der Vertragsfläche in der Regel ausgeschlossen. Lediglich in begründeten Fällen kann auf weniger nährstoffsensiblen Flächen hiervon abgewichen werden.

  4. Bei Schnittnutzung hat die Mahd möglichst jährlich, ansonsten in biotoptypen-angepassten Abständen (mindestens aber einmal je Bewilligungsperiode vollständig) zu erfolgen. Das Mähgut ist abzufahren. Im Hinblick auf mögliche VOK sollten von der Standardregelung „Mahd ab Mitte Juli“ abweichende terminliche Regelungen nur festgelegt werden, wenn dies naturschutzfachlich erforderlich ist. Soweit die Fläche nicht bereits mit 924 oder 583 codiert ist, ist zu beachten, dass gemäß Direktzahlungen Durchführungsverordnung § 2 bestimmte Anforderungen an eine Landwirtschaftliche Tätigkeit auf Flächen gestellt werden (jährliches Mähen und Mulchen). Nach § 2 (2) sind Ausnahmen für eine Mahd oder Mulchmahd oder auch andere vereinbarte Maßnahmen im Abstand von zwei Jahren zulässig. Hierunter fallen Vereinbarungen im Rahmen von Naturschutzprogrammen oder Agrarumweltmaßnahmen. Längere Bewirtschaftungsabstände sind nur möglich, wenn gemäß § 2 (3) Direktzahlungen Durchführungsverordnung gewährleistet ist, dass die Flächen in einem für die Beweidung oder den Anbau geeigneten Zustand erhalten bleiben. Dieser Zustand ist gegeben, wenn die Fläche mit den in der Landwirtschaft üblichen Methoden und Maschinen wieder für die Beweidung oder den Anbau hergerichtet werden kann. Eine Verbuschung, welche durch Beweidung oder Nachmahd nicht mehr beseitigt werden kann, ist mit dieser Regelung nicht vereinbar.

  5. Auf Flächen mit nachgewiesenem Vorkommen besonders gefährdeter Insektenarten (z.B. Maculinea nausithous – Schwarzblauer Moorbläuling, Maculinea teleius – Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Maculinea alcon – Lungenenzian-Ameisenbläuling, Euphydryas aurinia – Skabiosen-Scheckenfalter, Stethophyma grossum – Sumpfschrecke) kann abweichend von der Standardregelung „Mahd ab Mitte Juli“ ein früherer Mahdtermin vereinbart werden, wenn gleichzeitig die zweite Mahd nicht vor dem 15.09. erfolgt. Weitere Ausnahmen sind nur in Abstimmung mit dem LANUV zulässig.

  6. Ca. 5 - 10 % der Fläche sollten jeweils als Bandstrukturen oder „Inseln“ verbleiben und daher nicht gemäht werden. Die Nutzungspflicht entfällt ohne Prämienminderung. Nutzungsverzichte auf Randstreifen können vereinbart werden, ihre Lage auf der Fläche sollte zwischen der 1. und 2. Nutzung bzw. zumindest jährlich wechseln. Dadurch besteht bei vorhandenem Grünlandstatus kein Risiko der Aberkennung der Förderfähigkeit in der 1. Säule. Im Hinblick auf den Erhalt eines DGL Status sind ungemähte Bereiche in der Regel dann unproblematisch, wenn ihre Lage jährlich wechselt. Bei mehrjährig ungemähten Strukturen auf DGL Flächen besteht das Risiko der Aberkennung des DGL Status. Sollten aus fachlicher Sicht Bereiche mehrjährig von der Mahd ausgenommen werden, sollte rechtzeitig eine Umcodierung der Fläche vorgenommen werden. Eine Entbindung von der Nutzungspflicht muss in die Bewilligung aufgenommen werden. Das gilt vorbehaltlich der Zustimmung des Gebietsbetreuers auch für Teile von Nassweiden und Seggenrieden, wenn sie in besonders nassen Jahren auch im Spätsommer nicht ohne erhebliche Tritt- und Strukturschäden beweidet werden können.

  7. Unabhängig von der vereinbarten Häufigkeit der Mahd, ist das Vertragsentgelt für die mit den Paketen 5200 bis 5210 belegten Flächen jährlich auszuzahlen.

  8. Hinweise zu Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Agrarumweltmaßnahmen finden sich ebenfalls im Anwenderhandbuch.

a) Spezielle Bewirtschaftungsempfehlungen für Magerrasen und Trockenheiden

  1. Silikatmagerrasen einschl. Borstgrasrasen
    • Beweidung mit Schafen, Rindern oder Pferden geeigneter Rassen. Da für Silbergrasfluren mit gutem Erhaltungszustand offene Sandflächen Voraussetzung sind, ist hier eine Beweidung sinnvoll.
    • Zur Beibehaltung einer extensiven Nutzung und/oder zur Aushagerung jährliche Mahd ab Mitte Juli im Abstand von 1-3 Jahren. Dabei sollte eine Staffelmahd empfohlen werden.
    • Entfernung von Büschen und Bäumen zwischen Oktober und Februar gem. BNatSchG § 39 (5). Die Gehölze müssen direkt über dem Boden abgesägt werden, sofern zukünftig eine Mahd der Fläche erfolgen soll. Dem Bewirtschafter ist eine Ausnahmegenehmigung gem. § 39 (5) BNatSchG zu erteilen, wenn die Entfernung von Büschen oder Bäumen außerhalb des Zeitraumes 01.10. bis 28.02. erforderlich ist. Dies kann erforderlich sein, wenn naturschutzfachlich gewünscht, der Wiederaustrieb der Gehölze dauerhaft verhindert werden soll, um übermäßige Verbuschung zurückzudrängen. In diesem Fall ist ein Gehölzschnitt bereits ab August vor dem Laubfall sinnvoll.
  2. Kalkmagerrasen
    • Extensive Beweidung mit Schafen und Ziegen, Rindern und Pferden geeigneter Rassen ist in der Regel mit 0,5 GVE je ha, bei stärkerem Aufwuchs bis max. 2,0 GVE je ha als Standweide möglich.
    • Eine extensive Nutzung ist in der Regel durch eine jährliche Mahd ab Mitte Juli gewährleistet. Ein Abstand der Mahd von 2-3 Jahre ist fallweise möglich. Es sollte eine Staffelmahd empfohlen werden.
    • Beseitigung von Büschen und Bäumen (siehe a 1.) Die Erhaltung einzelner bodenständiger Gehölze z.B. als Brutplätze bzw. Raupenfutterpflanzen ist in der Regel sinnvoll.
  3. Trockene Heide s
    • Bei Hüteschafhaltung sollte der Abstand zwischen den Beweidungsgängen 6 bis 8 Wochen betragen. Eine kurzfristige Koppelhaltung ist für max. 2 Tage zulässig. Dabei ist die nächtliche Koppelung auf der Vertragsfläche in der Regel ausgeschlossen. Lediglich in begründeten Fällen kann auf weniger nährstoffsensiblen Flächen hiervon abgewichen werden.
    • Extensive Beweidung durch Schafe, Rinder und Pferde. Die Besatzdichte ist an den Aufwuchs anzupassen.
    • Mahd vergraster Heiden: jährliche Mahd ab Mitte Juli zur Förderung der Besenheide und anderer Zwergsträucher.
    • Mahd von Heiden mit dominierendem Besenheide-Aspekt: Mahd in 5-8-jährigem Abstand im September/Oktober (Mähgut möglichst ca. 8 Tage liegen lassen). Je Bewilligungszeitraum muss eine Mahd der Gesamtfläche erfolgen.
    • Beseitigung von Büschen und Bäumen (siehe a 1.) Die Erhaltung einzelner bodenständiger Gehölze z.B. als Brutplätze bzw. Raupenfutterpflanzen ist in der Regel sinnvoll.

b) Spezielle Bewirtschaftungsgrundsätze für Nasswiesen, Feuchtheiden und Seggenriede

  1. Kleinseggenried
    • Mahd im Abstand von ca. 3 Jahren ab Mitte Juli (Sense, Freischneidegerät, Einachsmäher u.a.).
    • Bei hochstauden- oder schilfreichen Kleinseggenrieden kann zum Zurückdrängen von Hochstauden bzw. Schilf jährlich ab Mitte Juli gemäht werden.
    • Beseitigung von Büschen und Bäumen (siehe a 1).
  2. Großseggenried
    • Mahd im Abstand von 3 - 5 Jahren ab Mitte Juli.
    • Bei hochstauden und schilfreichen Großseggenrieden kann zum Zurückdrängen von Hochstauden bzw. Schilf jährlich ab Mitte Juli gemäht werden.
    • Beseitigung von Büschen und Bäumen (siehe a 1.).
  3. Feuchtheide und Moore
    • Extensive Beweidung mit geeigneten Rassen in der Regel 0,5 GVE je ha, bei stärkerem Aufwuchs bis max. 2,0 GVE / ha
    • Beseitigung von Büschen und Bäumen (siehe a 1.)
  4. Pfeifengraswiesen
    • Streuwiesen (einmalige jährliche Mahd ab September)
  5. Sumpfdotterblumenwiesen
    • Wasser-Greiskrautwiesen (einmalige jährliche Mahd ab 15.7.)
    • Waldbinsen-/Waldsimsensumpf (Mahd im Abstand von 3 bis 5 Jahren in der Regel ab Oktober zur Verhinderung einer zu starken Verfilzung und Verbuschung)
  6. Sonstige einschürige Feucht- und Nasswiesen
    Die Bewilligungsbehörde kann – ggf. in Abstimmung mit den Gebietsbetreuern Folgendes festlegen:
    • keine maschinelle Bearbeitung vom 30.03. bis 15.07.
    • ganzjährig keine Beweidung
    • Mahdtermine nach naturschutzfachlichen Anforderungen.

1Soweit ein Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln rechtsverbindlich bereits besteht, erfolgt ein Prämienabzug von 25,- €/ha/Jahr.