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Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen


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Pflege und Nachpflanzung von Streuobstbeständen mit oder ohne extensive Unternutzung (Paket 5301 und 5302)

Pflege und Nachpflanzung von Streuobstbeständen mit oder ohne extensive Unternutzung (Paket 5301)

Fördervoraussetzung:

  • Mindestobstbaumbestand 35 Bäume/ha
  • Mindestflächengröße 0,15 ha (in diesem Fall mit Baumbestand von mind. 10 Bäumen)
  • Ergänzung vorhandener Obstbaumbestände jeweils entsprechend fachlicher Vorgaben mit geeigneten Obstbaumsorten, die Gütebestimmungen entsprechen
  • Baumpflegemaßnahmen durch Erziehungs-, Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt entsprechend fachlicher Vorgaben
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenbehandlung der Obstbäume
  • Gefördert werden höchstens 55 Bäume/ha
  • Ausgleichsbetrag: 19,- Euro Baum/Jahr, max. 1.045,- €/ha/Jahr
Steinkauz Obstbaumschnitt

Extensive Unternutzung von Streuobstbeständen (Paket 5302)

(nur in Verbindung mit Paket 5301)

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel
  • Ausgleichsbetrag ha/Jahr: 150,- €
  1. Streuobstwiesen- und weiden sind in ganz NRW förderfähig. Das gilt sowohl für die Förderung der Baumpflege als auch für die mögliche Kombination mit der Förderung einer extensiven Grünlandnutzung. Bei vorhandenen Beständen werden in der Regel nur Hochstämme, bei Ergänzungspflanzungen ausschließlich Hochstämme gefördert.

  2. Die Maßnahmen müssen vorrangig mit dem Ziel des Arten- und des Biotopschutzes durchgeführt werden. Das schließt die chemisch-synthetische Behandlung der Obstbäume aus.

  3. Ergänzend zur Baumpflege kann für die Grünlandbewirtschaftung der Verzicht auf Pflanzenschutz- und Düngemittel vereinbart werden (Paket 5302). Soweit die fachliche Notwendigkeit besteht, darüber hinaus weitere Einschränkungen bzgl. der Grünlandbewirtschaftung zu treffen, ist alternativ auch eine Kombination mit den Maßnahmen nach 5121 bis 5162 sowie 5200 bzw. 5210 möglich.

  4. Bzgl. der für die extensive Grünlandbewirtschaftung im Einzelfall geeigneten Pakete sind vor allem die Ansprüche der Zielarten zu berücksichtigen (vor allem Steinkauz http://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/de/arten/gruppe/voegel/massn/102974#massn_3).

  5. In der Regel sind Maßnahmen mit sehr späten Nutzungsterminen für Grünland unter Streuobstbeständen wegen der guten Nährstoffversorgung durch Fallobst nicht geeignet.

  6. Gegenstand der Bewilligung ist die Verjüngung und fachgerechte Pflege von Altbäumen sowie die Ergänzungspflanzung und Erziehung von Jungbäumen. Voraussetzung für eine Bewilligung ist eine Vertragsfläche von mindestens 0,15 ha mit mindestens 10 Obstbäumen. Diese Mindestbaumzahl greift bis zu einer Flächengröße unter 0,28 ha. Bei Flächen ab 0,28 ha wird der erforderliche Mindestbaumbestand rechnerisch auf Basis von 35 Bäumen/ha ermittelt. Bei der Berechnung ist mathematisch zu runden.

  7. Es sind maximal 55 Bäume pro Hektar förderfähig. Bei dichteren Beständen können zwar alle vorhandenen Bäume in die Bewilligung einbezogen werden. Dadurch verringert sich allerdings rechnerisch die Prämie pro Baum. Die tatsächliche Anzahl der Bäume sollte daher nur moderat über der förderfähigen Anzahl liegen. Alternativ kann bei Beständen größer 55 Bäumen/ha die Förderung auf konkrete Bäume (55 Bäume/ha) festgelegt werden. In diesem Fall sind die geförderten Bäume in einer Bestandskarte kenntlich zu machen.

  8. Unabhängig von Alter und Zustand des Einzelbaums wird pro Baum eine Prämie von 19,- Euro gewährt. Der Hektarprämiensatz liegt bei max. 1.045,- Euro.

  9. Für sanierungsbedürftige Altbaumbestände oder Neuanlagen kann ggf. eine investive Förderung über die "Förderrichtlinie Naturschutz" oder die "Richtlinien investiver Naturschutz- Managementpläne" erfolgen. Bewilligungsbehörden für diese investiven Maßnahmen sind die Bezirksregierungen.

  10. Die Maßnahme ist mit einem Bestandsplan und bei ggf. nach zu pflanzenden Bäumen mit einem Pflanzplan zu dokumentieren.

  11. Die Förderung wird gewährt:
    • für die ergänzende Pflanzung von Jungbäumen sowie einen Pflanz- und jährlichen Erziehungsschnitt zur Entwicklung eines tragfähigen Astgerüstes oder
    • bei gesunden älteren Bäumen im beginnenden bzw. erreichten Vollertrag für einen systematischen Pflegeschnitt mit ggf. erforderlicher Nachbehandlung im Folgejahr (Wasserschosse!) bzw.
    • bei vergreisten älteren Bäumen für einen Verjüngungsschnitt mit mindestens einmaliger Nachbehandlung im Folgejahr (Wasserschosse auslichten, Neuaufbau eines Traggerüstes)
    • Ergänzungspflanzungen und Nachpflanzungen von Obstbäumen sollten mit geeigneten Sorten als Hochstämme nach den Gütebestimmungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung, Landschaftsbau (FLL) vorgenommen werden. Die Stammlänge sollte bis zum Kronenansatz mindestens 1,80 m betragen. Geeignete Obstsorten sind der "Obstsortenempfehlung für Streuobst des Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz NRW" mit Stand 01.06.2018 zu entnehmen.

  12. Plantagenanlagen zur Erzeugung von Tafelobst sind von der Förderung ausgeschlossen.

  13. Die Ergänzungspflanzung umfasst folgende Lieferungen bzw. Leistungen:
    • Obst-Hochstämme
    • Drahtkörbe, Pfähle und Bindematerial
    • Schutz gegen Verbiss an den Stämmen
    • Bei der Pflanzung Pflanzschnitt, in den Folgejahren jährlicher Erziehungsschnitt
    • ggf. notwendige Einzäunungen der Obstwiese und Betreuung von Artenschutzeinrichtungen
    • Angießen

  14. Neu gepflanzte Obstbäume genießen gemäß § 39 LNatSchG NRW Bestandsschutz.

  15. Prämienkombination mit MSL ist möglich. Diese Zuwendungen sind in vollem Umfang anzurechnen.

  16. Des Weiteren wird auf die Musterbewirtschaftungsauflagen Streuobstwiesen und die Hinweise zur Gestaltung des Antrages/Zuwendungsbescheides Streuobstwiesen von Mai 2008 sowie auf die Broschüre des MKULNV „Streuobstwiesenschutz in Nordrhein-Westfalen“ verwiesen.

Weitergehende Informationen zum Thema Streuobst werden vom "Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz in NRW" bei der Landwirtschaftskammer bereitgestellt.


Junge Obstwiese