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Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen


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Vertragsnaturschutz in Nordrhein-Westfalen


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Pflege von Hecken in festgelegten Förderkulissen (Paket 5400)

Heckenlandschaft

Die Bewilligungsbehörde legt im Einzelfall die erforderlichen Pflegemaßnahmen fest. Dazu gehören:

  • Art der Pflegemaßnahme (auf-den-Stock-Setzen und/oder Auslichten)
  • ggf. Nachpflanzung standortgerechter Arten aus gebietseigener Herkunft (soweit verfügbar), einschl. ggf. erforderlicher Verbissschutzmaßnahmen
  • Reisigentfernung oder -aufschichtung
  • bei vorhandenem Saumstreifen mindestens einmalige Mahd innerhalb der Bewilligungsperiode mit Abräumpflicht des Mähgutes
  • Prämienstufe 1 umfasst den Standardaufwand für ortsübliche Heckenpflege
  • Prämienstufe 2 greift bei erhöhtem Pflegeaufwand bzw. erhöhtem Schwierigkeitsgrad durch besonders breite Hecken, hohen Anteil an Dornengehölzen, große Schnittmengen, ungünstige topographische Verhältnisse, kürzeren Pflegerhythmus
  • Ausgleichsbetrag m²/ Jahr:
    • Prämienstufe 1: 0,5 Euro
    • Prämienstufe 2: 0,8 Euro

  1. Zu pflegende Hecken müssen insgesamt mindestens 50 m Länge umfassen. Die Prämien für Pflegemaßnahmen sind aufwandsgemäß zu berechnen.

  2. Die Förderung erfolgt auf Basis einer m²-Prämie in zwei Stufen je nach Arbeitsaufwand. Grundlage für die Flächenberechnung ist die gesamte von den Heckenpflanzen überdeckte Fläche einschließlich evtl. vorhandener Saumflächen.
    Prämienstufe 1:
    Diese Prämienstufe bildet die Standardförderung ab. Es liegt bei den Pflegeanforderungen kein erhöhter Aufwand oder ein besonderer Schwierigkeitsgrad vor. Diese Prämienhöhe kann ohne weitere Begründung gewährt werden.
    Prämienstufe 2:
    Diese Prämienstufe kann gewährt werden, wenn im Vergleich zur Standardförderung ein erhöhter Arbeitsaufwand bzw. ein erhöhter Schwierigkeitsgrad vorliegt. Das kann gegeben sein bei einem hohen Anteil an Dornengehölzen, großen Schnittmengen z.B. bei langen Pflegeintervallen, besonders breiten Hecken, ungünstigen topographischen Verhältnissen oder auch kürzerem Pflegeturnus z.B. zur Erhaltung spezieller regionaltypischer Heckenformen. Die Kriterien, die zu einer Einstufung in die zweite Prämienstufe führen, können einzeln oder auch in Kombination vorliegen. Ein möglicher Mehraufwand ist daher nicht pauschal zu beurteilen, sondern muss nach Einzelfallprüfung begründet werden. Die Begründung ist im Rahmen der Checkliste zu dokumentieren.

  3. Pflegeschnitte von Hecken sind alle 8-15 Jahre in Abschnitten durch auf den Stock setzen und Auslichten vorzunehmen. Je nach Zustand der Flächen können auch Nachpflanzungen erforderlich sein. Innerhalb der Bewilligungsperiode muss die gesamte Hecke einen Pflegedurchgang erfahren haben. Das kann bei fachlich sinnvollen Pflegeabständen größer fünf Jahren dazu führen, dass die Maßnahme nicht in zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Bewilligungsperioden gefördert werden kann.

  4. Die konkreten Pflegeleistungen sowie ggf. der Pflegerhythmus / zu pflegende Abschnitte sind im Bewilligungsbescheid zu beschreiben. Dies können folgende Sachverhalte sein:
    • Auf-den-Stock setzen und/oder Auslichten der Hecke
    • Unterteilung der Hecke in x-Abschnitte, die in unterschiedlichen Jahren der Bewilligungsperiode gepflegt werden
    • Häckseln des Aufwuchses und Abtransport
    • Verzicht auf Häckseln des Heckenschnitts durch Verwertung ggf. Aufschichtung von Totholzhaufen
    • Mahd des Saumstreifens mit Abfuhr des Schnittgutes
    • Nachpflanzungen bei Bedarf

  5. Für Nachpflanzungen in einer bestehenden Hecke sind soweit vorhanden standorttypische Gehölze aus gebietseigener Herkunft entsprechend § 40 (4) BNatSchG zu verwenden (https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/recht/leitfaden_gehoelze_.pdf). Diesbezüglich wird auf den Erlass des MKULNV v. 03.07.2012 verwiesen. Grundlage für die Pflanzenauswahl ist die Gehölzliste (Tabelle 1). Nachweise über die Pflanzenlieferung sind beim Bewirtschafter vorzuhalten.

  6. Die Leistung umfasst neben dem Pflanzmaterial auch den Verbissschutz, sowie die Anwuchspflege (Freihalten der Gehölze vor konkurrierendem Aufwuchs).

  7. Förderungen von Hecken sind mit der zuständigen Forstbehörde abzustimmen, um Doppelförderungen und Konkurrenzen zu vermeiden.

  8. Förderfähig sind unter anderem auch Kastenhecken sowie Flurhecken mit „Durchwachsern“ in der Eifel bei Monschau, Flechthecken in Nieheim (Kreis Höxter) und Weißdornhecken am Niederrhein.

Tabelle 1: In NRW zur Verwendung in der freien Natur geeignete einheimische Gehölzsippen

Botanischer Name Deutscher Name Großlandschaften           Bemerkungen
    Niederrheinisches Tiefland Nieder-rheinische Bucht Westfälische Bucht/ Westfälisches Tiefland Weser-bergland Eifel/ Siebengebirge Süder-bergland  
Acer campestre Feld-Ahorn - o o o o o nur auf basenreichen Standorten
Acer pseudoplatanus* Berg-Ahorn* - - - - o o  
Alnus glutinosa* Schwarz-Erle* o o o o o o  
Betula pendula* Sand-Birke* o o o o o o  
Carpinus betulus* Hainbuche* o o o o o o  
Cornus sanguinea Blutroter Hartriegel o o o o o o nicht auf Sand
Corylus avellana Gewöhnliche Hasel o o o o o o  
Crataegus laevigata Zweigriffliger Weißdorn o o o o o o nicht auf Sand
Crataegus monogyna Eingriffliger Weißdorn o o o o o o nicht auf Sand
Cytisus scoparius Besen-Ginster o o o o o o  
Euonymus europaea Pfaffenhütchen o o o o o o nicht auf Sand
Fagus sylvatica* Rot-Buche* o o o o o o  
Frangula alnus Faulbaum o o o o o o  
Fraxinus excelsior* Gewöhnliche Esche* o o o o o o  
Ilex aquifolium Hülse - - o - o o innerhalb des Süderberglandes nur im Bergischen Land und im nordwestlichen Teil des Sauer- und Siegerlandes
Populus tremula* Zitter-Pappel* o o o o o o  
Prunus avium* Vogel-Kirsche* o o o o o o  
Prunus padus Trauben-Kirsche o o o o o o  
Prunus spinosa Schlehe o o o o o o nicht auf Sand
Quercus petraea* Trauben-Eiche* - - - o o o  
Quercus robur* Stiel-Eiche* o o o o o o  
Rosa canina Hunds-Rose o o o o o o  
Salix alba Silber-Weide o o o o - o mit Ausnahme ingenieurbiologischer Maßnahmen nur an Flüssen, im Weserbergland nur an der Weser, im Süderbergland nur an der Ruhr ab Arnsberg
Salix caprea Sal-Weide o o o o o o  
Salix purpurea Purpur-Weide o o o o - o mit Ausnahme ingenieurbiologischer Maßnahmen nur an Flüssen, im Weserbergland nur an der Weser, im Süderbergland nur an der Ruhr ab Arnsberg
Salix triandra Mandel-Weide o o o o - o mit Ausnahme ingenieurbiologischer Maßnahmen nur an Flüssen, im Weserbergland nur an der Weser, im Süderbergland nur an der Ruhr ab Arnsberg
Salix viminalis Korb-Weide o o o o o o  
Sambucus nigra Schwarzer Holunder o o o o o o  
Sambucus racemosa Trauben-Holunder - - - o o o  
Sorbus aucuparia Eberesche o o o o o o  
Viburnum opulus Gemeiner Schneeball o o o o o o

Legende
o: in der Großlandschaft auf Standorten, auf denen die Art natürlicherweise vorkommt, verwendbar
-: in der Großlandschaft für Pflanzungen in der freien Landschaft nur in bestimmten Fällen geeignet (s. Erläuterungen)
*: Art unterliegt auch dem Forstvermehrungsgut-Gesetz (FoVG) mit entspr. Regelungen zur Herkunftssicherung

Tabelle 1 enthält die in NRW einheimischen Gehölzsippen, die bei Hecken- und sonstigen Pflanzungen in der freien Natur verwendet werden können. Sie gilt nicht für die Forstwirtschaft (§40 BNatschG, (4), 1.).
Die in der Tabelle aufgeführten Sippen können im Allgemeinen in der jeweiligen Großlandschaft (vgl. Abbildung 1) auf Standorten, auf denen die Art natürlicherweise vorkommt, verwendet werden. Die Angabe „in der Großlandschaft für Pflanzungen inder freien Landschaft nur in bestimmten Fällen geeignet“ erfolgte dann, wenn die Sippe in der jeweiligen Großlandschaft

  • nicht oder nur in wenigen Messtischblättern vorkommt oder
  • nur in Teilbereichen der Großlandschaft vorkommt oder
  • die Vorkommen weitgehend auf Pflanzungen zurückgehen

Abbildung 1: Großlandschaften Nordrhein-Westfalens


Ist für eine Sippe angegeben, dass sie für Pflanzungen in der jeweiligen Großlandschaft nur in bestimmten Fällen geeignet ist, sollte eine Pflanzung nur dann erfolgen, wenn für den lokalen Bereich, in dem die Pflanzung geplant ist, bekannt ist, dass die Sippe hier natürlicherweise vorkommt.
In der Tabelle nicht aufgeführt sind insbesondere Kleinsträucher wie z. B. Seidelbast oder Englischer Ginster, die üblicherweise nicht in Pflanzungen verwendet werden.
Ebenfalls sind die Sippen in der Tabelle nicht enthalten, die in Gesamt-NRW nur selten vorkommen (Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Nordrhein-Westfalen 2003) bzw. natürlicherweise auf bestimmte Sonderstandorte beschränkt sind. Anpflanzungen sollten deshalb bei diesen Sippen nur in speziellen mit den Unteren Landschaftsbehörden abgestimmten Artenschutzprojekten erfolgen, die gezielt die Förderung der jeweiligen Art(en) zum Ziel haben. Es handelt sich insbesondere um die Arten der Tabelle 2 sowie weitere in der Tabelle nicht aufgeführte Rosen- und Weidenarten sowie -hybriden.
Von großer Bedeutung ist bei den seltenen/gefährdeten Gehölzen auf jeden Fall, dass die Erhaltung, der Schutz und ggf. die Förderung der bestehenden Vorkommen immer Priorität vor Pflanzungen haben muss. Außerdem muss bei Artenschutzmaßnahmen die natürliche Verbreitung – auch kleinräumig – in besonderem Maße beachtet werden (so gibt es z. B. an Ems und Weser keine natürlichen Vorkommen der Schwarzpappel). Zudem sollte es selbstverständlich sein, dass vor einer Anpflanzung bzw. Wiederansiedlung die Gefährdungsfaktoren abgestellt werden und das notwendige Management für die dauerhafte Erhaltung der Arten gewährleistet ist. Anpflanzungen von Sorbus torminalis machen beispielsweise keinen Sinn, wenn die Waldbehandlung in solchen Bereichen nicht auf eine langfristige Erhaltung der Elsbeere abgestimmt wird (in NRW nahezu überall im (ehemaligen) Nieder- o. Mittelwald).


Tabelle 2: Gehölzarten für spezielle Artenschutzprojekte

Deutsche Bezeichnung Botanische Bezeichnung
Spitz-Ahorn Acer platanoides*
Gewöhnliche Berberitze Berberis vulgaris
Moor-Birke Betula pubescens*
Wacholder Juniperus communis
Liguster Ligustrum vulgare
Rote Heckenkirsche Lonicera xylosteum
Wildapfel Malus sylvestris
Gagelstrauch Myrica gale
Schwarzpappel Populus nigra*
Wildbirne Pyrus pyraster
Kreuzdorn Rhamnus cathartica
Öhrchen-Weide Salix aurita
Grau-Weide Salix cinerea
Bruch-Weide Salix fragilis
Lorbeer-Weide Salix pentandra
Hohe Weide Salix x rubens
Mehlbeere Sorbus aria
Elsbeere Sorbus torminalis
Eibe Taxus baccata
Winter-Linde Tilia cordata*
Sommer-Linde Tilia platyphyllos*
Berg-Ulme Ulmus glabra
Flatter-Ulme Ulmus laevis
Feld-Ulme Ulmus minor
Wolliger Schneeball Viburnum lantana